So sieht die typische Schreibweise eines Kinders aus, das die VA lernen musste.

Das e ist der im Deutschen am häufigsten vorkommende Buchstabe - in der VA ist es der am schwierigsten zu schreibende

Buchstaben verbinden am Beispiel e - oben: Lateinische Ausgangsschrift LA - unten Vereinfachte Ausgangsschrift VA

Die unten angeführten 6 Hauptargumente der VA-Verfechter kehren sich allesamt ins Gegenteil und entlarven, dass die VA keine Schreibschrift und somit auch keine Ausgangsschrift ist. Von daher drängt sich die Frage nach dem engültigen Ausschluss der VA aus dem Schulunterricht auf...

Oeben: Rotes Kreuz: Haltepunkt an Ende jedes Buchstabens
rotes Kreuz und roter Strich: Haltepunkt und Verbindungsstrich zur Mittellinie - Unten: Schreiben auf der Grundlinie entlang ohne Haltepunkt
Die Bewegung des Deckstrich- "Luftsprungs" an der Mittellinie entlang (rot und gepunktet) unterbricht den Schreibfluss und stört den Gedankenfluss erheblich.

Behauptung 1: Die lästigen, permanenten Drehrichtungswechsel  der LA wurden drastisch reduziert.

Behauptung 2: Durch "Luftsprünge" wurden die lästigen Deckstriche erheblich minimiert.

Behauptung 3: Aus LA-Dreigliedrigkeit wurde VA-Zweigliedrigkeit. 

Behauptung 4: Die VA hat an jedem Buchstabenende einen Haltepunkt zum kurzen Pausieren (Entkrampfen der Finger) und zum Nachdenken über den folgenden Buchstaben.

Behauptung 5: Die häufigen Unterbrechungen an den Haltepunkten erzeugen den erwünschten VA-typischen Schreibrhythmus.

Behauptung 6: Das Zusammenkoppeln der Buchstaben an der Mittellinie erleichtert das Verbinden, weil (fast) alle Buchstaben auf gleicher Höhe enden.

Gegenargumente

Zu 1: Drehrichtungswechsel ist der Grünewald'sche Ausdruck für ganz normale Schreibbewegungen, das heißt, jedes e, jedes u, überhaupt jeder Buchstabe, der geschrieben wird, kommt seiner Ansicht nach durch permanentes Wechseln der Drehrichtung zustande, weil der Stift beim Schreiben bewegt werden muss. Dazu möchte ich sagen, dass ich beim Schreiben aber noch nie etwas gedreht habe, den Stift nicht (die Feder würde sich sofort kratzend bemerkbar machen!) und auch das Papier nicht, und ich wechsle, solange ich meinen Stift vorwärts bewege, auch nicht die Schreibrichtung, denn Buchstaben werden nicht rückwärts geschrieben. Besitzt jemand, der die fließende Schreibbewegung für drastisch zu reduzierende Drehrichtungswechsel und Druckschrift für effizientes Schreiben hält, wirklich Schreibkompetenz oder das richtige Gefühl dafür? Schreiben und vor allem auch schon das Schreibenlernen ist ein hochemotionaler Vorgang, der größtenteils vom vegetativen Nervensystem abhängt, also nur bedingt willentlich steuerbar ist ? dem kann man nicht mit "drastisch reduziertem Drehrichtungswechsel der Buchstaben" begegnen und somit den Schreiblernprozess zu vereinfachen versuchen.

Zu 2: Die sogenannten Deckstriche (davon gibt es fünf) sind nicht getilgt worden. Es sind die VA-typischen Luftsprüngen, eine Handbewegung, die bei a, c, d, g, o und q einen Bogen an der Mittellinie entlang beschreibt um den Buchstaben zu schließen ? es sind also die gleichen Bewegungen wie zuvor, nur dass sie nicht auf dem Papier sichtbar vollzogen werden, sondern in der Luft

Zu 3: Die angebliche Dreigliedrigkeit der LA ist eine Erfindung der VA-Befürworter. Die Kleinbuchstaben der LA sind (bis auf die mit einem Querstrich) eingliedrig.

Zu 4: Die Haltepunkte sind argumentativ der absolute Tiefpunkt, weil Anhalten nach jedem Buchstaben, auch das Denken anhält. Schreibende, die an jedem Buchstabenende anhalten müssen, bewegen ihre Hand wie Tänzer beim Wiener Walzer, die nach jedem einzelnen Schritt einen kurzen Zwischenstopp einlegen würden. Fließbewegungen lassen sich auf diese Weise wohl kaum trainieren, und dass Kinder nach jedem Buchstaben die Hand entspannen und Zeit zum Überlegen haben sollen, wo sie welchen Buchstaben anschließen, macht wohl auch dem letzten Zweifler deutlich, dass diese Schrift nicht zum Schreiben und nicht für die Rechtschreibung taugt.

Zu 5: Der VA-typische Schreibrhythmus kommt durch die häufigen Unterbrechungen an den Haltepunkten zustande.Dieses Anhalten ist aber kein Rhythmus, sondern verursacht zögerliche, unregelmäßige und verunsichernde Stiftbewegungen, die nichts mit Schreiben gemein haben. Es ist ein Hin-und-her-Springen von einer Haltestelle zur anderen, was richtiges Schreiben gar nicht aufkommen lässt.

Zu 6: Das Zusammenkoppeln der Buchstaben an der Mittellinie ist das größte Problem der VA und stell viele Kinder vor unüberwindbare Schwierigkeiten, die durch den schräg nach oben Verbindungsstrich enstehen, der mittels zusätzlichem Drehrichtungswechsel (!) jedem  Buchstaben angehängt wurde, so dass (fast) alle Buchstaben auf gleicher Höhe enden.

Für Schreiben lernende Kinder bedeutet dies, den Stift zwischen der Grund- und der Mittellinie zickzackförmig hoch und runter zu bewegen, wobei sie sich an der Mittellinie orientieren, an den Haltepunkten halten und gelegentlich Luftsprünge machen sollen.

Diese Art zu schreiben sucht ihresgleichen, wird es aber nicht finden. Es lohnt sich also nicht, für dieses obskure Abc eine neue typografische Begriffsschublade zu öffnen. Allenfalls vielleicht, um es darin verschwinden zu lassen.